AEVO

Die Ausbildungsordnung
Die Ausbildungsordnung gewährleistet eine einheitliche und geordnete Ausbildung in ca. 350 anerkannten Ausbildungsberufen die nach §5 BBiG vorgeschriebenen Mindestinhalte einer Ausbildungsordnung sind:

1. Berufsbezeichnung
z.B. Der Ausbildungsberuf Industriekaufmann/Industriekauffrau wird staatlich anerkannt.

2. Ausbildungsdauer
z.B. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

3. Ausbildungsberufsbild
Beschreibung der Fertigkeiten und Kenntnisse, die der Auszubildende mindestens beherrschen muss.

4. Ausbildungsrahmenplan
...enthält eine Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse.

Darf vom Ausbíldungsrahmenplan abgewichen werden?

Anhand der bundeseinheitlichen Rechtsverordnung für den jeweiligen Beruf erstellt das Untenehrnen einen betrieblichen Ausbildungsplan. Der Ausbilungsrahmenplan darf bzw. muss für betriebliche Erfordernisse ergänzt (> betrieblichen Ausbildungsplan), es darf aber nichts weggelassen werden. Auf Basis des Ausbildungsrahmenplans erstellt der Ausbilder den betrieblichen oder individuellen Ausbildungsplan. Dieser betriebliche Ausbildungsplan muss mit dem Ausbildungsvertrag bei der zuständigen Stelle eingereicht werden.

5. Prüfungsanforderungen
Ungefährer Zeitpunkt, Dauer, Prüfungsbereiche der Zwischenprüfung, Prüfungsbereiche, Prüfungsdauer der einzelnen Prüfungsbereiche, Bestehensregelung, Ergänzungsprüfung.

Entstehung der Ausbildungsordnung
In der BRD dürfen Jugendliche nur in anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet werden. Das Merkmal eines anerkannten Ausbildungsberufes ist das Vorhandensein einer Ausbildungsverordnung/Ausbildungsordnung. Die Ausbildungsordnung ist gem. §4 BBiG die verbindliche Rechtsgrundlage für die Ausbildung eines staatlich anerkannten Ausbildungsberufes im Betrieb.

Wie entsteht eine Ausbildungsordnung?

Mitwirkende: Die Unternehmen und Kammern (Arbeitgeber)
                    Die Gewerkschaften (Arbeitnehmer)
                    Die Länder und
                    der Bund

Anstoß für die Entwicklung einer Ausbildungsordnung auf Basis BBiG §§ 4+5 erfolgt in 3 Schritten:

- Festlegen der Eckwerte für die Ausbildungsordnung
- Erarbeitung und Abstimmung
- Erlass der Verordnung

Zumeist entwickeln die Sozialpartner die Eckwerte, wenn sie Bedarf für eine Neuschaffung oder Überarbeitung eines Berufs sehen. Die Spitzenorganisationen der Sozialpartner, also auf Arbeitgeberseite das Kuratorium der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB) und für die Arbeitnehmerseite in der Regel der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), legen den schon vorab entwickelten Eckwertevorschlag dem zuständigen Fachministerium mit der Bitte um Prüfung und Anberaumung des Antragsgesprächs vor.

- Vorgespräche/Vorschläge der Sozialpartner = Festlegen der Eckwerte für die Ausbildunqsverordnung
  Weil der Wandel der Zeit (Personaldienstleistung), der Fortschritt (elektronische Steuerungen) oder auch mehr förderungswürdige Schüler (Teilezurichter, Beikoch, Fachlagerist sind
  abgespeckte 2-jährige Varianten von Industriemechaniker, Koch und Fachkraft für Lagerlogistik) dies erforderlich machen. Diese 2-jährigen Berufe sind theoriereduzierte Varianten,
  um auch Schülern mit Lernschwierigkeiten eine Ausbildung zu ermöglichen. Zum Teil dienen diese Berufe als Grundlage, um bei erfolgreichem Abschluss
  mit einem weiteren Jahr den Abschluss des 3-jährigen umfangreicheren Ausbildungsberufes zu sichern.

- Forschungsprojekte oder Gutachten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) = Erarbeitung und Abstimmung
  Daraufhin leitet der zuständige Bundesminister (in der Regel ist dies der Bundeswirtschaftsminister) unter Hinzunahme des Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) ein
  Projekfverfahren ein. Das BiBB erforscht die gegenwärtigen und zukünftigen Notwendigkeiten und Möglichkeiten des neuen Berufes. In einem Koordinationsausschuss aus
  Bund und Ländern wird über die neuen oder zu ändernden AO beraten. Der schulische Teil (Rahmenlehrplan) wird von der Kultusministerkonferenz (KMK) erarbeitet. Das Ergebnis
  dieser Beratung stimmt der Koordinationsausschuss mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ab.

- Weisung eines zuständigen Fachministeriums (BM für Wirtschaft und Technologie) = Erlass der Verordnung
  Das zuständige BM (BMWI) erlässt dazu die Rechtsverordnungen durch Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt. Durch den Erlass eines Bundesministers hat die AO bundesweite
  Verbindlichkeit und gilt deshalb ausschließlich für die betriebliche Ausbildung.

Die Schulen fallen unter die Kulturhoheit, der Rahmenlehrplan ist somit Sache der Länder.

Dass in manchen AO Rahmenlehrpläne integriert sind liegt daran, dass sehr wohl eine zeitlich und fachlich abgestimmte Ausbildung zwischen Betrieb und Berufsschule angedacht ist. Da aber die Möglichkeiten und Kompetenzen der Länder nicht eingeschränkt wurden f und diese im Kultusbereich machen was sie wollen -, ist hier eine Parallelität fast nicht möglich.

Zuständige Stellen
- Wer oder was ist denn die zuständige Stelle?
- Handwerkskammer
- Industrie- und Handelskammer
- Landwirtschaftskammer
- Rechtsanwalts-, Patentanwalts- und Notarkarrımern
- Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaterkammern
- Ärzte-, Zahnärzte-, Tierärzte- und Apothekerkammern

Die Aufgaben der zuständigen Stellen sind u. a.
- Überwachung der Berufsausbildung
- Eignung des Ausbilders, des Ausbildenden, der Ausbildungsstätte festellen
- Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse einrichten und führen
- Prüfungsausschüsse einrichten und Prüfungen durchführen
- Über Anträge zur Verkürzung/Verlängerung der Ausbildung entscheiden
- Ausbildungsberater bestellen
- In Ausbildungsfragen beraten
- Wichtige Ansprechpartner für Azubi + Ausbilder

An der Berufsausbildung beteiligte Personen und deren Eignung
Das Berufsbildungsgesetz unterscheidet vier an der Ausbildung beteiligte Personen (Personengruppen).

Ausbildender         ...ist derjenige, der Auszubildende zum Zwecke der Berufsausbildung einstellt. Auszubildende einstellen darf nur, wer persönlich
BBiG § 28, 1          geeignet ist. Der Ausbildende hat mit dem Auszubildenden einen Berufsausbildungsvertrag abzuschließen.
                             
                              Wenn er nicht selbst ausbilden kann, muss er einen Ausbilder bestellen, der die Ausbildungsinhalte in der Ausbildungsstätte
                              unmittelbar, verantwortlich und im wesentlichen Umfang vermittelt. Er überträgt damit seine Aufgaben und Pflichten auf den
                              Ausbilder, haftet aber für die Fehler des Ausbilders.
                             
                              Er hat den verantwortlichen Ausbilder gegenüber der zuständigen Stelle zu melden.

Ausbilder               ...ist derjenige, der verantwortlich ausbildet. Dies kann sowohl der Ausbildende selbst sein, oder ein von Ihm ernannter Mitarbeiter.
BBiG § 28, 1          Auszubildende darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist.

Ausbildungs-         Unter der Verantwotung des Ausbilders/der Ausbilderin kann bei der Berufsausbildung mitwirken, wer selbst nicht beauftragte
beauftragte           Ausbilder/Ausbilderin ist, aber abweichend von den besonderen Voraussetzungen des § 30 die für die Vermittlung von
BBiG § 28, 3         Ausbildungsinhalten erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und persönlich geeignet ist.

Auszubildender     Das zum Zwecke der Berufsausbildung im Sinne des BBiG vom Ausbildenden eingestellt wird.
BBiG, § 28, 1

BBIG § 29
Persönlich nicht geeignet ist insbesondere, wer
1. Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf oder
2. wiederholt oder schwer gegen dieses Gesetz oder die auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.
-> Strafgesetzbuch §§ 171, 174-184g, 225, 232-233a

BBIG § 30
Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind. Die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, wer die Abschlussprüfung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechende Fachrichtung bestanden hat und eine angemessene Zeit in seinem Beruf praktisch tätig gewesen ist.
(Quelle: Berufsbildungsgesetz)
 

Vorteile und Nutzen der Ausbildung für das Unternehmen
- Deckung des eigenen Personalbedarfs (Vermeidung von Fachkräftemangel)
- Kosten für die Suche nach geeigneten Fachkräften werden gesenkt
- Einarbeitungskosten für neue Mitarbeiter werden gesenkt
- Risiko einer Fehlbesetzung wird reduziert
- Optimierung der Unternehmensorganisation (Senkung des Durchschnittsalters-Altersstruktur)
- Ansehen des Unternehmens wird gesteigert, da der gesellschaftlichen Verpflichtung nachgekommen wird - Imagegewinn

Kosten für das Unternehmen
- Ausbildungsvergütung
- Sozialversicherung
- event. freiwillige soziale Leistungen wie Fahrkarten, Essenzuschuss...
- Kammergebühren wie Eintragungs- und Prüfungsgebühren
- Kosten für überbetriebliche Ausbildung und event. Lehrgänge
- Ausbildungsmittel wie Werkzeug. Messmittel, Material für Übungsstücke, Berichtsheft
- Ausbildungspersonal (Fachkräfte), (haupt- oder nebenberufliche) Ausbilder
- Kosten für Sicherheit, z.B. Sicherheitsausrüstung

Individueller (persönlicher) Vorteil und Nutzen der betrieblichen Ausbildung
- Azubi wird behutsam in die Berufs- und Arbeitwelt integriert
- Azubi erhält eine umfangreiche berufliche Ausbildung = Qualifikation
- Azubi sichert seine wirtschaftliche Existenz und verbessert seine beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten
- Azubi lernt praxisorientiert
- Azubi identifiziert sich mit seinem Beruf und sichert seinen sozialen Stellenwert in der Gesellschaft
- Azubi erhält Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit -> Steigerung des Selbstwertgefühls

Gesellschaftlicher, sozialer Nutzen
Rohstoffarme, aber hochtechnisierte Länder wie die Bundesrepublik Deutschland sind auf hervorragend ausgebildete Menschen angewiesen.
- Senkung der Jugendarbeitslosigkeit
- Erhöhung des Qualifikationsniveaus
- Verbessung der Integration von Jugendlichen in die Berufswelt
- Erhöhung der beruflichen Flexibilität
- Stabilisierung des sozialen Systems der Bundesrepublik Deutschland

 

Stoffkatalog - Die vier Handlungsfelder zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung
Handlungsfeld 1 - Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
Handlungsfeld 2 - Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
Handlungsfeld 3 - Ausbildung durchführen
Handlungsfeld 4 - Ausbildung abschließen

Die einzelnen Handlungsfelder sind in Kompetenzen gegliedert.

Handlungsfeld 1 - Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
- Die Vorteile und den Nutzen betrieblicher Ausbildung darstellen und begründen können.
- Bei den Planungen und Entscheidungen hinsichtlich des betrieblichen Ausbildungsbedarfs auf Grundlage der rechtlichen, tarifvertraglichen und
  betrieblichen Rahmenbedingungen mitwirken.
- Die Strukturen des Berufsbildungssystems und seine Schnittstellen darstellen.
- Ausbildungsberufe für den Betrieb auswählen und dies begründen.
- Die Eignung des Betriebes für die Ausbidung in dem angestrebten Ausbildungsberuf prüfen, sowie ob und inwieweit Ausbildungsinhalte durch
  Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, insbesondere Ausbildung im Verbund, überbetriebliche und außerbetriebliche Ausbildung, vermittelt
  werden können.
- Die Möglichkeiten des Einsatzes von auf die Berufsausbildung vorbereitenden Maßnahmen einschätzen.
- lm Betrieb die Aufgaben der an der Ausbildung Mitwirkenden unter Berücksichtigung ihrer Funktionen und Qualifikationen abstimmen.

Handlungsfeld 2 - Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
- Auf der Grundlage einer Ausbildungsordnung einen betrieblichen Ausbildungsplan erstellen, der sich insbesondere an berufstypischen Arbeits-
  und Geschäftsprozessen orientiert.
- Die Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitbestimmung der betrieblichen Interessenvertretungen in der Berufsbildung berücksichtigen.
- Den Kooperationsbedarf ermitteln und sich inhaltlich sowie organisatorisch mit den Kooperationspartnern, insbesondere der Berufsschule, abstimmen.
- Kriterien und Verfahren zur Auswahl von Auszubildenden auch unter Berücksichtigung ihrer Verschiedenartigkeit anwenden.
- Den Berufsausbildungsvertrag vorbereiten und die Eintragung des Vertrages bei der zuständigen Stelle veranlassen.
- Die Möglichkeiten prüfen, ob Teile der Berufsausbildung im Ausland durchgeführt werden können.

Handlungsfeld 3 - Ausbildung durchführen
- Lernförderliche Bedingungen und eine motivierende Lernkultur schaffen, Rückmeldungen geben und empfangen.
- Die Probezeit organisieren, gestalten und bewerten.
- Aus dem betrieblichen Ausbildungsplan und den berufstypischen Arbeits- und Geschäftsprozessen betriebliche Lern- und Arbeitsaufgaben entwickeln
  und gestalten.
- Ausbildungsmethoden und -medien zielgruppengerecht auswählen und situationsspezifisch einsetzen.
- Auszubildende bei Lernschwierigkeiten durch individuelle Gestaltung der Ausbildung und Lernberatung unterstützen, bei Bedarf
  ausbildungsunterstützende Hilfen einsetzen und die Möglichkeit der Verlängerung der Ausbildungszeit prüfen.
- Auszubildenden zusätzliche Ausbildungsangebote, insbesondere in Form von Zusatzqualifikationen, machen und die Möglichkeit der Verkürzung
  der Ausbildungsdauer und die der vorzeitigen Zulassung zur Abschlussprüfung prüfen.
- Die soziale und persönliche Entwicklung von Auszubildenden fördern, Probleme und Konflikte rechtzeitig erkennen sowie auf eine Lösung hinwirken.
- Leistungen feststellen und bewerten, Leistungsbeurteilungen Dritter und Prüfungsergebnisse auswerten, Beurteílungsgespräche führen, Rückschlüsse
  für den weiteren Ausbildungsverlauf ziehen.
- Interkulturelle Kompetenzen fördern.

Handlungsfeld 4 - Ausbildung abschließen
- Auszubildende auf die Abschluss- oder Gesellenprüfung unter Berücksichtigung der Prüfungstermine vorbereiten und die Ausbildung zu einem
  erfolgreichen Abschluss führen.
- Für die Anmeldung der Auszubildenden zu Prüfungen bei der zuständigen Stelle sorgen und diese auf durchführungsrelevante Besonderheiten
  hinweisen.
- An der Erstellung eines schriftlichen Zeugnisses auf der Grundlage von Leistungsbeurteilungen mitwirken Auszubildende über betriebliche
  Entwicklungswege und berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten informieren und beraten.

Quelle: Zeitschrift des Bundesinstituts für Berufsbildung BiBB "Berufsbildung in Wirtschaft und Praxis" BWP 3/2009

Stoffkatalog - Die vier Handlungsfelder zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung
Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind. Die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, wer die Abschlussprüfung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechende Fachrichtung bestanden hat und eine angemessene Zeit in seinem Beruf praktisch tätig gewesen ist.